Europäische Cloud Speicher Anbieter

Eine schlichte Karte von Mittel- und Westeuropa. Korallrote Nadeln markieren die Standorte der besprochenen Anbieter mit Firmensitz und Land: mailbox.org (Berlin), Filen.io (Recklinghausen), Twake Drive (Paris), Proton und Infomaniak kDrive (Genf), Tresorit (Zürich), pCloud (Baar) und Koofr (Kranj).
KI generiert

Nach meinem letzten Post war ich nicht ganz zufrieden. Klar, ich schrieb über unser Home Setup mit Nextcloud, das war auch alles in Ordnung, aber es fehlte mir der weitere Blick. Was gibt es denn für europäische Cloud Speicher neben Nextcloud? Software, die man nicht selber hosten muss, die vielleicht auch proprietär ist, und trotzdem eine gute Alternative sein könnte? Schließlich speichern die meisten ihre Daten in irgendeiner Cloud, es ist also durchaus eine relevante Frage. Deswegen habe ich ein paar Agenten zur Recherche losgeschickt, die Ergebnisse geprüft und eigene Recherchen und Erfahrungen für diesen Artikel zusammengetragen.

Es wird mir nicht möglich sein, ein vollumfängliches Bild sämtlicher DSGVO-kompatiblen Storage-Anbieter zu geben. Und ich kann auch keine eigene Einschätzung liefern, wie sehr jeder dieser Anbieter den Standards entspricht, ich muss mich auf Quellen verlassen. Wenn ihr aber andere Apps kennt, die ihr mögt und benutzt, oder einfach eure Erfahrungen, Quellen und Meinungen teilen wollt, dann lasst es mich unbedingt wissen!

Interessant, aber vielleicht ein persönlicher Bias: ich bin vor allem auf deutsche und schweizer Cloud-Storage-Anbieter gestoßen. Teilt gern mit, wem ihr in euren Ländern eure Daten anvertraut.

Proton.me

Vor einigen Monaten habe ich mir einen Account bei Proton angelegt. Der Service ist zum Datenspeicher und -austausch gut. Ich wurde auf sie aufmerksam, weil sie gefühlt in jedem Diskurs über europäische Alternativen auftauchten und sich als direkter Konkurrent zu den großen Cloud Office Anbietern positionierten. Aber was kann Proton wirklich?

Der Service aus Genf (Schweiz) war viele Jahre wegen seiner verschlüsselten Datenspeicherung bekannt. Im Laufe des vergangenen Jahres dann begann sich das Unternehmen verstärkt als die europäische Alternative zu Google und Microsoft darzustellen und kritisierte diese vor allem mit dem Schlagwort “Sovereignty Washing”. Interessant war auch das Aufsehen um ein neues Schweizer Gesetz, das Proton zu der Aussage bewegte, Teile der Infrastruktur aus der Schweiz nach Deutschland und Norwegen umzuziehen.

Grundsätzlich liegen Protons Daten in Europa. Sie haben gute Verschlüsselung und sind ein großer, erfahrener Anbieter, den man sicher nutzen kann. Jedoch sind sie keine Alternative zu den bekannten Office-Angeboten. Die Dokumenten- und Tabellenapps sehen sehr gut aus, haben hervorragendes Design, aber die Funktionalitäten sind sehr begrenzt. In dem guten Jahr, in dem ich Zugriff auf die Services habe, wurde keine der mir wichtigen Sheets und Docs Funktionalitäten ergänzt (z.B. Seitenzahlen im Dokument, Pivot Charts im Sheet). Proton war leider nicht die erhoffte Alternative in diesen Bereichen. Der Anspruch des Unternehmens erscheint mir nicht ganz mit der Realität übereinzukommen.

Als Datenspeicher sind sie aber völlig okay, sie haben Apps zum Synchronisieren der Daten, sowohl mobil als auch auf dem Desktop, und sie haben ein gutes Interface.

mailbox.org

Wesentlich kleiner als Proton aber durchaus beachtenswert ist mailbox.org. Diese Recherche hat mich sehr neugierig auf die Anwendung gemacht und ich werde sie mir zeitnah noch einmal genauer anschauen. Das dahinterliegende Unternehmen, die Heinlein Support GmbH, gibt es seit über 30 Jahren; mailbox.org selbst wird von der Tochterfirma Heinlein Hosting GmbH betrieben. Sie stammen aus Berlin und kommen aus der Datenschutz- und Open-Source-Ecke.

mailbox hat glühende Verehrer auf Reddit, soviel steht fest. Die Daten werden in Berliner Datenzentren gehostet und ja, das Unternehmen wird als Konkurrent von Proton und Nextcloud dargestellt. Spannend ist die Meinung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): es bescheinigt mailbox.org, alle für das Amt relevanten technischen Sicherheitsstandards für E-Mail umzusetzen (wie sicher E-Mail auch immer sein mag). Das Amt äußert sich jedoch nicht über den Datenspeicher.

Seid ihr auch Fans von mailbox.org oder habt ihr andere Erfahrungen? Ich bin gespannt!

Filen.io

Der dritte spannende Anbieter ist Filen.io: sie probieren nicht den großen Office-Anbietern Konkurrenz zu machen. Sie positionieren sich ganz klar als sicherer europäischer Cloud-Speicher. Sie sind ein sehr junges deutsches Unternehmen (aus Recklinghausen), das mit großen Ambitionen und sehr guten Preisen versucht den Markt zu gewinnen.

Und genau das ruft auch sehr viel Unsicherheit hervor. Wie finanziert sich das Unternehmen? Was ist die Strategie? Wie leisten sie sich die Preise? Vieles könnte wahrscheinlich mit offenerer Kommunikation erklärt werden. Gerade aber scheint ihre fehlende Transparenz dafür zu sorgen, dass online wild spekuliert wird.

Aus meinen Recherchen hat sich ergeben, dass das Unternehmen große Ansprüche hat und sich auch Mühe gibt. Beispielsweise haben sie eine App für Android entwickelt, die den Fokus auf Datenschutz setzt. Jedoch wird stets kritisiert, dass es bisher keinen externen Audit gab, weswegen es unmöglich ist, die vielen Sicherheitsbehauptungen objektiv zu prüfen.

Weitere Provider

Unten findet ihr eine Liste weiterer Provider, die Cloud-Speicher anbieten, auch zum Teil kollaborative Software im Office Bereich. Wie bereits gesagt, ich habe keinen dieser Anbieter persönlich getestet, laut der Recherche speichern sie aber alle entweder ihre Daten in Europa oder erlauben Self-Hosting.

Einige Fragezeichen bleiben jedoch: Koofr z.B. wird als DSGV Lighthouse präsentiert; überall wird betont, dass die Daten in Deutschland liegen. Es ist jedoch nicht klar, bei welchem Anbieter. Das hinterlässt bei mir stets ein ungutes Gefühl.

Kurz zum Schluss: Einige der oben aufgeführten Anbieter wurden in einem Paper der ETH Zürich aus dem Jahr 2024 sehr genau bezüglich ihrer Verschlüsselung analysiert und einige davon hielten der Untersuchung nicht stand. Es gab Sicherheitslücken und es wurde kritisiert, dass ihre Sicherheitsverfahren nicht einwandfrei seien. Wer weiterführendes Interesse an diesem Thema hat, hier geht es zu den Quellen:

Und welchen Anbieter soll ich nun nutzen?

Was sagt uns das nun alles? Wir haben viele Anbieter, die sich im Markt als europäische Alternative platzieren. Es gibt eine große Auswahl und eigentlich auch wenige Ausreden, bei Google, Apple oder OneDrive zu bleiben.

Sind die Daten denn bei diesen Anbietern sicher? Was sagt mir die Analyse der ETH-Zürich? Zeigt sie nicht, dass die Daten doch unsicher sein könnten? Kann man so einem jungen Unternehmen wie Filen.io trauen und was ist, wenn sie pleite gehen?

Das sind natürlich alles berechtigte Einwände. Ob ein Unternehmen wirklich Zero Knowledge über Schlüssel hat, und somit sowohl einem Hacker-Angriff als auch Anfragen von Sicherheitsbehörden gefeit ist, das mag fraglich sein. Wer auf gar keinen Fall möchte, dass Informationen mit Gerichtsbeschluss und innerhalb des geltenden Rechts weitergegeben werden, sollte möglichst nur auf eigener Infrastruktur operieren und sich so wenig wie möglich im öffentlichen Internet bewegen. Das ist jedoch kein Use Case für normale Internetnutzer:innen. Für diese Gruppe sollte in ihre Entscheidung hineinfließen, welches geltende Recht angewandt wird, sollte eine Datenabfrage stattfinden. Bei europäischen Datenspeicher-Providern hat eine Gerichtsbarkeit außerhalb der EU nur Zugriff, wenn sie den europäischen Prozessen folgen.

Mir ist es wichtig zu betonen: grundsätzlich sollte man sich immer überlegen, ob man wirklich alle Daten ausschließlich an einem Ort speichern möchte. Es ist keine schlechte Strategie, verschiedene Anbieter für unterschiedliche Zwecke zu pflegen. Auf diesem Wege könnt ihr durchaus auch jungen Providern wie Filen.io eine Chance geben. Klar kann so ein Unternehmen pleite gehen, das kann aber auch bei älteren Anbietern passieren. Ein Rest-Risiko bleibt immer. Aber wer es vor allem leicht und einfach haben möchte, der liegt auf jeden Fall bei Proton nicht falsch.

Eine Sache, die ich im Laufe der Recherche gelernt und die sich auch mit meinen persönlichen Erfahrungen deckt: Nutzer:innen trauen Unternehmen nicht, wenn sie unklar kommunizieren. Auch ich werde unruhig, wenn ich versuche herauszufinden, welche Anbieter zum Hosting verwendet werden, es aber einfach keine klare Antwort gibt. Transparenz und offene Kommunikation ist zentral, aber leider zu häufig Mangelware.

Wir enden wieder an dem Punkt, den ich schon öfter angesprochen habe: überlegt, was euch persönlich wichtig ist. Danach könnt ihr eine Entscheidung treffen. Wichtig ist aber vor allem, dass ihr darüber nachdenkt und wisst, wofür ihr euch warum am Ende entscheidet.