Cloud-Speicher oder Plattform? Was Nextcloud eigentlich ist

Kacheln für Dateien, Kalender, Kontakte und mehr, aus denen sich die Nextcloud-Plattform wie ein Baukasten zusammensetzt.
KI generiert

Im letzten Beitrag habe ich von dem umständlichen Weg erzählt, auf dem ich bei Nextcloud gelandet bin. Jetzt also: Was ist das eigentlich?

Nextcloud ist einer der großen Open-Source-Cloud-Speicher mit Sitz in Stuttgart. Wer die Plattform nicht kennt, fühlt sich beim Namen vielleicht an ownCloud erinnert, einen Anbieter, der eine Zeit lang bei vielen Institutionen verbreitet war. Ich habe selbst mit ownCloud gearbeitet, am Fraunhofer-Institut in Karlsruhe. Und der Eindruck trügt nicht: Nextcloud ging 2016 als Fork aus ownCloud hervor. Wer IT-Klatsch mag, sollte sich die Geschichte von Frank Karlitschek ansehen, der ownCloud initiierte und bis heute CEO von Nextcloud ist.

Aber zurück zur Plattform, denn das System bietet weit mehr als nur einen Cloud-Speicher, den man selbst hosten oder extern mieten kann. Genau das macht es interessant. Nextcloud beschreibt sich selbst als sicheres Ökosystem für kollaborative Open-Source-Anwendungen. Die Plattform erlaubt es, unterschiedlichste Open-Source-Apps zur eigenen Nextcloud hinzuzufügen. Ihr entscheidet selbst, welche Anwendungen ihr braucht, und stellt euch so euer eigenes Äquivalent zu den großen Plattformen von Google oder Microsoft zusammen. Ich nutze neben dem Speicher täglich Kalender und Kontakte, lasse meine Zeiterfassung über Nextcloud laufen und höre damit Musik.

Die Speicherfunktion umfasst alles, was man so braucht. Nextcloud läuft auf dem Handy und auf dem Desktop (Windows, macOS, Linux), die Daten synchronisieren sich automatisch und sind auch offline verfügbar. Dazu gehört das automatische Backup von Fotos. Ich wähle aber immer aktiv aus, welche Ordner synchronisiert werden, und ob Dateien nur in der Cloud bleiben oder auch lokal auf dem Gerät liegen.

Die Dateiansicht von Nextcloud im Browser. Links ein Ordnerbaum mit Dokumenten, Fotos und weiteren Ordnern, rechts der Inhalt des Ordners „Documents
Die Dateiansicht im Browser: Ordnerbaum links, Dateiliste rechts.

Die Sharing-Optionen sind intuitiv, mit einem ordentlichen Rechtemanagement. Besonders viel positives Feedback habe ich fürs Hochladen bekommen. Nextcloud macht das so einfach, dass es bisher jede Person hinbekommen hat, teils mit geradezu euphorischer Rückmeldung. Auch das Runterladen ist simpel. Beides ist mir wichtig, weil ich oft mit wenig technikaffinen Leuten Daten austausche.

Das Sharing-Panel eines Ordners in Nextcloud. Ein geöffnetes Menü zeigt die Freigabe-Rechte zur Auswahl: „Nur ansehen
Rechte pro Freigabe einstellen: von „Nur ansehen" bis zu benutzerdefinierten Rechten.

Es gibt aber auch ein paar Dinge, die ich nennen muss. Design und UX der Browser-App sind alt. Es sieht nicht schön aus und ist an manchen Stellen umständlich. In der mobilen App und auf dem Desktop fällt das kaum auf.

Und es gibt Bugs, die den Spaß bremsen. In der mobilen App könnt ihr Daten nicht uneingeschränkt manuell hochladen. Stattdessen wählt ihr aus, welchen Ordner ihr synchronisieren wollt, und das muss man erst einmal wissen. Der Weg dahin ist nicht besonders intuitiv, aber in Ordnung, sobald ihr ihn einmal gefunden habt.

Außerdem ist es schon ein paar Mal passiert, dass einzelne Nextcloud-Ordner über das Windows-Dateisystem nicht mehr zugreifbar waren. Das tritt bei mir auf, wenn ich mit Agenten an Textdateien arbeite und parallel andere Operationen im selben Ordner laufen. Die Dateien sind dabei nie weg. Ich konnte sie immer über die Browser-App öffnen, verschieben oder den Ordner umbenennen, danach war das Problem behoben. Nervig war es trotzdem. Für die meisten, die nicht parallel mit Agenten im Dateisystem hantieren, dürfte es aber keine Rolle spielen.

Ein echtes Ärgernis ist für mich die Vorschau, wieder vor allem für Leute, die selbst hosten. Nextcloud speichert die Foto-Previews als separate Bilder, und wenn ihr die Größe nicht begrenzt, wächst der Cache immer weiter. Falls jemand hier eine Lösung kennt: meldet euch. Im Moment kann ich meine Fotos in der Nextcloud selbst nur in sehr kleiner Auflösung ansehen.

Trotz dieser kleineren und größeren Kritikpunkte nutze ich Nextcloud gern. Das Zentrale, also Daten speichern und austauschen, läuft absolut zuverlässig. Auch die zusätzlichen Apps, über die ich bald schreiben werde, erfüllen ihren Zweck. Und ich weiß jetzt jederzeit genau, wo meine Daten liegen.